Auch Siebdruck (Screen Printing) ist mit Freitag beendet. Vor ein paar Wochen hab ich ja schon kurz von dem “künstlerisch angehauchten Projekt” berichtet und eine kleine Vorschau der daraus entstandenen Schriftart gezeigt. Nun ist das Projekt abgeschlossen und somit ist es Zeit, den Vorhang zu lüften.

Begonnen hat alles mit dem Erstellen der Schriftart. Dafür habe ich eine Methode verwendet (bzw. entwickelt? Hat vorher wohl noch niemand so gemacht, um ein Druckbild zu erstellen…), die den so genannten Screenfiller etwas zweckentfremdet: Der Screenfiller ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine Flüssigkeit, die auf das Sieb aufgetragen wird und dieses dann blockiert. Die Flüssigkeit trocknet auf dem Sieb und verstopft die Löcher, damit an diesen Stellen beim Druck keine Farbe durchkommt – so die normale Verwendung. Ich hab den Screenfiller aufgetragen, diesen dann aber nicht vollständig trocknen lassen….

Danach wurden mit einer Wasserdruckpistole die Buchstaben aus dem Sieb von Hand ausgespritzt. Dadurch entstehen die etwas unregelmäßigen, ausgefransten Buchstaben.

Ich habe davor mit Hilfe von Pins und Gummibändern ein Raster angelegt, um die Proportionen der Buchstaben einigermaßen zu erhalten. So entstand dann also die folgende Schriftart:

Das war dann der erste, handwerkliche Teil. Auf diesen folgte dann ein symbolischer, mit einer Performance verbundener Teil.

Das Wegwaschen des Screenfillers wurde  als Methapher für “Vergessen” genommen. Studenten wurden gefragt, was sie vergessen möchten. Diese Wörter wurden dann mit der erstellen Schriftart auf weiße Kunststoffplatten gedruckt. Die Studenten bekamen dann jeweils ihre Wortplatten und konnten ihre Wörter mit Wasser und Schwamm wegwaschen. Dies war als symbolischer Akt gedacht, angelehnt an Rituale die in einigen Kulturen beim Trauern angewandt werden: z. B. das Verbrennen von Kleidern der Verstorbenen.

Die Wegwasch-Performance hab ich gefilmt und kann weiter unten angesehen werden.

Die Wortplatten vor der Performance.

before - after - photostrip

Die Studenten mit ihren Wortplatten. Vor und nach der Performance.

Dieses Projekt, wie auch das Graphic Design Experiment mit dem Kässpätzler, hat mir ganz neue Arbeits- und Denkweisen in der Gestaltung eröffnet. Diesen Fortschritt verdanke ich zu einem großen Teil den Gesprächen mit und dem Einfluß von meinen Dozentinnen Natasha und Kindra. Thanks!


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